Vom Thermalbad zum Jugendtreff
Hier haben Zähringer Kindergenerationen schwimmen gelernt: Im Thermalbad an der Lameystraße 4 und mit heißem Wasser aus Mooswaldquellen gespeist.
Der 1969 erbaute nüchterne Betonwürfel gab nach Osten den Blick frei auf eine große Wiese. Ende der achtziger Jahre begann in Freiburg eine Diskussion um die Zukunft der Bäder. Zu viele seien es und zu kostspielig obendrein. Ganz schlechte Betriebsergebnisse sah die Stadt beim Zähringer Thermalbad, das deshalb zu schließen sei. Die geringen Einnahmen kamen zwar daher, dass große Anteile der Öffnungszeit dem Schulsport und dem Mutter-Kind-Schwimmen vorbehalten waren, aber wen interessierte das in all der Sparwut. Da obendrein noch ein Teil der Deckenabhängung sich eines Tages plötzlich löste und in die Schwimmhalle stürzte – glücklicherweise ohne Badbesucher zu verletzen – machte den Sanierungsbedarf und damit die Unhaltbarkeit des Bades noch offensichtlicher.
So wurde zum Beginn der Sommerferien 1994 der Stöpsel gezogen und das Schwimmbecken abgelassen. Die damit verbundene Hoffnung der Stadt, das Grundstück samt Liegewiese zu lukrativem Bauland zu machen, ging aber fehl. Zähringer besetzten ihr Bad, parteiübergreifend war der Widerstand, und die Aktiven aus dem Stadtteil rangen der Stadtverwaltung das Zugeständnis ab: Das Gebäude darf stehen bleiben, die Spielwiese wird nicht zugebaut, im vorderen Teil – dem ehemaligen Umkleidetrakt – entsteht ein Jugend- und Familienzentrum. Einen entscheidenden Anteil hieran hatte der damalige Vorsitzende des Bürgervereins, Norbert Pingel sowie Rita Sartorius und Wilfried Huber.
Ein Jugendhearing wurde 1996 zur Bedarfserhebung veranstaltet, ein eingetragener Verein JATZ („Jung und Alt im Thermalbad Zähringen“) wurde 1997 gegründet. Der Aus- und Umbau war schon bis zur Planreife vorangetrieben und 1998 Bauantrag gestellt, als Einsprüche das Vorhaben auf Eis legten. Die Einsprüche wurden gütlich beigelegt, die Baugenehmigung 2000 erteilt, als der bereits vorgesehene Bauträger in Schwierigkeiten geriet. Ein zweites Unternehmen sprang ein, scheiterte aber daran, dass die Unterschrift für die Beauftragung der Stadt auch nach Monaten noch nicht vorlag. Erneut musste ausgeschrieben werden, inzwischen nach EU-Recht. Aber kein Unternehmen wollte die Garantie übernehmen, den Bauplan – 360 Quadratmeter Innenausbau, eine Hälfte mit eigenem Eingang und Sanitärbereich als Jugendtreff, die andere unabhängig davon als Familienzentrum – für den von der Stadt fixierten Betrag umzusetzen.
Der Verein zog 2003 die Konsequenz und gab die Baulast an die Stadt Freiburg zurück, die 2004 dann eine Neuplanung vornahm: Nun sollte die gesamte Fläche zum Jugendtreff werden. Der Bau wurde in städtischer Regie durchgeführt und 2005 abgeschlossen. Der Verein JATZ bewarb sich als einziger Interessent für die Betriebsträgerschaft des Jugendtreffs, der seit Oktober 2005 jeweils 13 Stunden wöchentlich geöffnet ist. Grund für die Absage anderer Bewerber und die geringe Öffnungszeit war der im Verhältnis zu anderen Stadtteil-Jugendtreffs minimale Betriebskostenzuschuss der Stadt, der nur einer halben Stelle entspricht. Dennoch sind etwa 200 Kinder und Jugendliche teils vom Start an Treffbesucher, darunter viele mit Zuwanderungsgeschichte und ebenso viele aus dem Teil Zähringens zwischen Karlsruher und Zähringer Straße, in dem Siedlungsbau vorherrscht. Inzwischen findet Im Treff auch eine Hausaufgabenbetreuung in Kooperation mit der Emil-Gött-Hauptschule statt, dazu Tanz- und Sport-AGs.
Der Jugendtreff ist dringend auf ehrenamtliches Engagement angewiesen.